Vorburgmauer der Tiefburg

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Im Gegensatz zu Gipfel- und Hangburgen wie wir sie an der Bergstraße zwischen Heidelberg und Darmstadt vielfach antreffen, ist die Handschuhsheimer Burg eine Niederungs- oder Tiefenburg, daher auch Tiefburg genannt. Das ganze Burgarreal umfasste ca. 4,5 bis 5 Hektar und war von einer 4 bis 5 Meter hohen Mauer umgeben.

Weiter rechts von der Tafel stand an der Ecke Kriegsstraße/Mühltalstraße bis 1956 noch das letzte Wirtschaftsgebäude der Vorburg, welches bis dahin von der Tiefburgschule aus Raumnot für Gesangs- und Sportunterricht genutzt wurde. Links daneben ist noch ein Torbogen zum Burgbezirk erhalten.“ Vor Jahren“ war er noch mit einem Pinienzapfen und dem Allianzwappen Handschuhsheim-Ingelheim (1590) gekrönt.

Ecke Mühltalstrasse/Kriegsstrasse
Ecke Mühltalstrasse/Kriegsstrasse (Foto: Tiefburgarchiv)

In Tafelnähe ist eine kleine vermauerte Nische zu erkennen, die vermutlich als Durchreiche für Kleinmaterial und Postsendungen Verwendung fand. In den folgenden Häusern sind in den Rückgebäuden noch Mauerteile (ehemals Ställe und Scheunen) der einstigen Tiefburgeinfriedung zu erkennen, die an der „Charlottenburg“ (Mühltalstraße 1) den Ring des Burgbezirkes schließen.

Mauerrest neben der Bücherstube, Dossenheimer Landstraße
Mauerrest neben der Bücherstube, Dossenheimer Landstraße

Die Ringmauer zog dann nach Westen entlang der Dossenheimer Landstraße bis zur Bäumengasse. Beim Bau des Helmstatthauses (1700) – die Tiefburg war nach 1689 unbewohnbar geworden – wurde das dortige Mauerstück abgerissen. Noch vor der Eingemeindung Handschuhsheims zu Heidelberg trug man auch den noch verbleibenden Teil der Mauer bis zur Bäumengasse ab. Somit gehörte auch das Waschhaus, das vor der Tiefburg an die Mauer angrenzte, der Vergangenheit an. Das heute funktionslose Tor am Helmstatthaus war der Eingang zur Vorburg und zum sogenannten „Freiadeligen Gut“. Bemerkenswert ist, dass das hölzerne Tor noch original aus der Zeit um 1560 ist. Die Mauer läuft nun in reduzierter Höhe die Bäumengasse entlang bis über die Kriegsstraße hinaus. In Höhe der linksseitigen Häuser erkennt man noch eingemauerte Fragmente von einem Tor. Es war das Westtor zum Burgbezirk.

Von dem Eckpunkt Bäumengasse und dem nahen „Dorffgraben“ zog die Mauer bis zur Mühltalstraße. Dabei ist zu bemerken, dass für den Bau der Tiefburgschule (1897), der Friedenskirche (1908 bis 1910) und dem evangelischen Kindergarten die Mauer abgerissen werden musste.

Mauer Ecke Kriegsstraße/Mühltalstraße vor Abriss des Eckgebäudes
Mauer Ecke Kriegsstraße/Mühltalstraße vor Abriss des Eckgebäudes

(eh)

(Alle Fotos: Tiefburgarchiv)